1. Bad Harzburg hat einen Wahlkampf erlebt wie nie zuvor. Man könnte von einer regelrechten Materialschlacht reden und von einer nie da gewesenen Präsenz der Kandidaten auf vielen Kanälen. In den Sozialen Netzwerken wurde der Ton mitunter ziemlich rau bis hin zu despektierlichen KI-Bildern. Das ist das, was wir sehen. Wie sah und sieht es hinter den Kulissen aus?
Wenn ein Wahlkampf so intensiv geführt wird, dann geht es um etwas. Das spüre ich in vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern. Natürlich gehören heute auch soziale Medien dazu. Für mich ist das nichts Neues, ich begleite meine politische Arbeit dort bereits seit 2021.
Was mich überrascht hat, war der teilweise sehr raue Ton. So habe ich das weder im Kommunalwahlkampf 2021 noch im Landtagswahlkampf 2022 erlebt. Trotzdem galt für mich immer: fair bleiben, sich nicht provozieren lassen und in der Sache klar argumentieren.
Mein Engagement für Bad Harzburg hat nicht erst mit dieser Bürgermeisterwahl begonnen. Seit 2021 arbeite ich im Stadtrat und Kreistag. Bei der diesjährigen Kommunalwahl haben mir die Bürgerinnen und Bürger erneut großes Vertrauen geschenkt. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Dieses Vertrauen ist für mich Ansporn, mich weiterhin mit ganzer Kraft für unsere Stadt einzusetzen.
2. #Besserbleiben ist der Slogan Ihres Konkurrenten Andreas Simon. „Besser“ klingt nach Fortschritt, „bleiben“ eher nach einem Weiter so. Inwiefern braucht Bad Harzburg Kontinuität oder einen echten Kurswechsel?
Der Slogan des Mitbewerbers verwirrt. Was denn nun? Soll alles bleiben, oder soll alles besser werden?
Bad Harzburg hat viele Stärken. Aber ich bin nicht angetreten, damit alles so bleibt, wie es ist. Ich bin angetreten, weil ich überzeugt bin, dass wir mehr aus den Möglichkeiten unserer Stadt machen können.
Für mich braucht Bad Harzburg Verlässlichkeit und neue Impulse. Die Verwaltung muss spürbar für die Menschen da sein. Die Menschen sind nicht für die Verwaltung da.
Ich möchte keine Bürgermeisterin sein, die nur vom Schreibtisch aus führt. Ich möchte zuhören, ansprechbar sein und gemeinsam mit Verwaltung, Rat, Vereinen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern Ideen entwickeln. Wir sollten uns fragen: Wo wollen wir als Stadt in zehn Jahren stehen?
Bad Harzburg kann mehr als verwalten, wir müssen wieder stärker gestalten.
3. Beim Silberbornbad wollen Sie und Ihre Partei ein tragfähiges Konzept entwickeln. Das Bad ist seit Jahren ein Problemfall. Wie lange muss man ein Problem eigentlich kennen, bevor man anfängt, an einer Lösung zu arbeiten?
Ich finde, man sollte anfangen, an Lösungen zu arbeiten, sobald man ein Problem erkennt. Beim Silberbornbad wird seit Jahren darüber gesprochen, was alles nicht geht. Ich finde, wir sollten stärker darüber sprechen, was möglich ist.
Für mich steht fest: Das Silberbornbad ist wichtig für Familien, Kinder, Vereine, den Schwimmsport und für unsere Stadt. Deshalb habe ich mich immer für seinen Erhalt ausgesprochen.
Jetzt müssen alle Fakten auf den Tisch und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickelt werden. Bad Harzburg braucht auch künftig ein attraktives öffentliches Bad für Familien, Kinder, Vereine und den Schwimmsport.
Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann. Aber die Menschen können sich darauf verlassen, dass ich mich mit ganzer Kraft für den Erhalt des Silberbornbads und für tragfähige Lösungen einsetzen werde.
4. Neben dem Erhalt des Silberbornbads wollen Sie unter anderem die Gewerbesteuer senken, die Ihre Partei übrigens 2022 erst erhöht hat, Innenstadt und Tourismus stärken und Familien unterstützen. Versprechen Sie da mehr, als eine Bürgermeisterin am Ende überhaupt halten kann?
Nein. Eine Bürgermeisterin entscheidet nicht allein. Viele Entscheidungen werden gemeinsam mit dem Rat getroffen.
Bei der Gewerbesteuer müssen wir uns ehrlich fragen, welche Auswirkungen die Erhöhung tatsächlich hatte. Bad Harzburg hat weiterhin einen der höchsten Gewerbesteuerhebesätze in der Region. Gleichzeitig werben viele Nachbarkommunen mit neuen oder erweiterten Gewerbegebieten um Unternehmen und Investoren.
Deshalb müssen wir prüfen, was unsere Entscheidung bewirkt hat. Konnten wir neue Unternehmen gewinnen? Wurden freie Flächen besser vermarktet? Haben wir zusätzliche Investitionen erreicht?
Für mich gehört zur Wirtschaftsförderung aber mehr als der Gewerbesteuersatz. Wir müssen aktiv auf Unternehmen zugehen, unseren Standort stärker vermarkten und dafür sorgen, dass Verfahren und Entscheidungen zügig begleitet werden.
Politik bedeutet auch, Entscheidungen regelmäßig zu überprüfen. Wenn Ziele nicht erreicht werden, muss man bereit sein, darüber neu nachzudenken.
Mir geht es nicht um Wahlkampfversprechen. Mir geht es darum, Bad Harzburg als Wohn-, Wirtschafts- und Tourismusstandort langfristig zu stärken.
5. Bad Harzburg besteht nicht nur aus der Kernstadt, sondern auch aus seinen Ortsteilen. Viele Entscheidungen und Investitionen konzentrieren sich zwangsläufig auf die Stadtmitte. Was würden Sie als Bürgermeisterin konkret tun, damit sich die Ortsteile politisch nicht als Bürger zweiter Klasse fühlen – und wo würden Sie dafür auch Konflikte mit der Kernstadt in Kauf nehmen?
Für mich gibt es keine Bürgerinnen und Bürger erster oder zweiter Klasse. Bad Harzburg ist eine Stadt und zwar eine gemeinsame Stadt.
Ich bin seit Jahren in allen Teilen unserer Stadt unterwegs und erlebe überall engagierte Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich für ihre Heimat einsetzen. Dieses Engagement verdient Unterstützung und Wertschätzung.
Deshalb möchte ich als Bürgermeisterin überall präsent sein, zuhören und Probleme dort angehen, wo sie entstehen. Bad Harzburg ist mehr als die Summe seiner Stadtteile. Wir sind eine Gemeinschaft.
Als Bürgermeisterin wäre ich für alle Bürgerinnen und Bürger da, unabhängig davon, wen sie gewählt haben. Das Amt der Bürgermeisterin gehört nicht einer Partei, sondern der ganzen Stadt. Genau so verstehe ich diese Aufgabe.
